Der Tag beginnt mit einem mehr als üppigen Frühstück. Das Hotel ist ganz neu und das Servicepersonal und wohl auch das in der Küche noch nicht wirklich geschult. Da ich offensichtlich der einzige Gast bin, gibt es kein Buffet, sondern die junge Kellnerin fragt, was ich gerne zum Frühstück hätte: indisches Curry mit Idli, den weichen Fladen, Obst, Omelett, Toast, Fruchtsaft, Kaffee oder Tee? Ich bestelle also Omelett mit etwas Toast, Obst und Milchkaffee. Offensichtlich hat sie mich aber nicht richtig verstanden, denn ich bekomme alles und zwar alles in einer riesigen Menge, von der eine Familie hätte satt werden können. Es tut mir leid dass ich so viel zurückgehen lassen muss, aber nach 40 Minuten bin ich pappsatt.

Nach dem Frühstück geht es los, nicht weit zur ganz neu eröffneten Glasaussichtsplattform. Die ist ziemlich spektakulär, man hat einen tollen Blick in die Landschaft und schaut man nach unten, kann einem schon schwindlig werden. Dass im Hintergrund über Lautsprecher das Geräusch von splitterndem Glas abgespielt wird, ist wohl indischer Humor😆.

Der nächste Punkt auf dem heutigen Ausflugsprogramm ist zwar weniger spektakulär, aber nicht minder interessant. Ich besuche einen ayurvedischen Garten. Mit Sonja bekomme ich eine kompetente Führerin, die mir viel über die Anwendung und Wirkweise dieser Pflanzen erklärt. Sie ist so überzeugend, dass ich mich in der angrenzenden Apotheke mit einem Arzt unterhalte und tatsächlich ein paar Dinge mitnehme.

Es ist schon kurz nach Mittag, als wir weiterfahren. Ziel ist ein kleines Teemuseum mit Schauproduktion. Das Museum ist wirklich winzig und hätte die Fahrt allein nicht gelohnt. Die Herstellungsprozess ist aber sehr interessant. Ich lerne, dass es nur drei verschiedene Teepflanzen gibt und sich die einzelnen Sorten neben der lokalen Herkunft im Wesentlichen dadurch unterscheiden, welche Blätter der Pflanze man wie verarbeitet. Im Gegensatz zum Museum, ist der angeschlossene Shop modern und riesig groß

Das nächste Ziel am heutigen Tag ist der Eravikulam-Nationalpark, der mit 97 qkm zu den eher kleinen Parks zählt, wegen der Heimat des seltenen Nilgiri-Tahrs aber sehr bedeutsam ist. Der Nilgiri-Tahr, der genetisch mit den Steinböcken in den Alpen verwandt ist, sieht aus wie eine Mischung aus Steinbock und Bergziege. Von den gut 2.600 Tieren, die aktuell als Bestand gelten, leben knapp 1.000 hier in diesem Nationalpark. Wie ich feststelle, verhalten sich diese Tiere überhaupt nicht so vorsichtig, wie ist dem geringen Bestand angemessen wäre, sondern sie sind eher zutraulich. Und obwohl überall im Park Schilder stehen, dass man die Tiere nicht berühren soll, rennt mir einer dieser Böcke nach und versucht an meiner Tasche zu schnuppern. Er kann wohl nicht lesen 😉.

Im Park fahre ich vom unteren Parkplatz mit dem Shuttlebus bis auf 1.800 m Höhe, dann führt ein Fußweg über einen Kilometer noch mal rund 70 Höhenmeter nach oben. Das Wetter ist eher trüb und neblig, was dem Ganzen aber eine schöne, mystische Atmosphäre verleiht. Ich bin der einzig westliche Tourist, um mich herum nur indische Familien, teils in ohrenbetäubender Lautstärke, die selbst den Landsleuten zu viel wird. Ein junges Mädchen dreht sich zu mir um und stöhnt nur "noise pollution".

Es ist schon nach 15 Uhr, als ich wieder am Parkplatz bin. Wir fahren zurück nach Munnar, wo mich heute Abend zwei Shows erwarten: eine mit traditionellen indischen Tänzen und eine zweite mit Martial Arts Kämpfen. Da ich bis dahin noch etwas Zeit habe, bummle ich mit meinem Guide durch eine Teeplantage mit herrlicher Aussicht.

Die Tanzshow ist anders als erwartet, Musik und passende Lichtshow haben sich dem heutigen Geschmack angepasst.

Die Tänze erzählen bekannte Geschichten von Menschen und Göttern, die ich nue bedingt verstehe. Meine Sitznachbarin kommt hört aber nicht auf zu lachen 😂.

 

Für die Martial Arts Show gibt es nur einen Ausdruck: atemberaubend. Die fünf Artisten zeigen verschiedene Kampftechniken, verbiegen sich, springen durch brennende Reifen und liefern eine perfekte Show ab.

Ich sitze nur wenige Meter von den Akteuren in der ersten Reihe, getrennt durch ein nicht einmal Knie hohes Gitter. Bei einigen Darbietungen fliegen mir kleine Kiesel um die Ohren, die Hitze der Feuerreifen brennt mir im Gesicht.

Ein weiterer, ereignisreicher Tag ist zu Ende. Es ist nun schon fast Halbzeit, die Tage vergehen wie im Flug, andererseits habe ich das Gefühl schon eine Ewigkeit im Land zu sein.