Vielleicht hätte ich die indische Bahn beim letzten Mal nicht zu sehr loben sollen, dieses Mal haben wir auf jeden Fall eine heftige Verspätung und ich komme statt kurz nach Mitternacht erst um 1:30 Uhr morgens in Ernakulam am Bahnhof an. Von dort sind es mit dem Tuk-Tuk noch gut 30 Minuten ins Hotel, so dass ich erst um 2 Uhr dort ankomme. Ich hatte zwar Bescheid gesagt, dass es spät wird, die Ankunftszeit ist mir aber doch unangenehm. Als ich die Tür zum Hotel öffne und die Rezeption betrete, schläft dort ein Mitarbeiter mit seinem Kind auf einer Matratze auf dem Boden. Zum Glück wacht er von selbst auf, gibt mir schnell den Schlüssel und legt sich wieder schlafen.
Das Zimmer ist nett und im ersten Moment denke ich, hier hätte man auch länger bleiben können. Als ich aber nachts aufwache und Nagegeräusche und Getrampel von kleinen Füßen hinter der Holzverkleidung höre, bin ich doch froh, am anderen Morgen wieder aufbrechen zu können.
Nach dem Frühstück werde ich von Samdosh abgeholt. Auch auf dieser Tour bin ich wieder der einzige Gast und er ist für die kommenden fünf Tage mein privater Fahrer und Guide. Auf dem Weg in die Berge nach Munnar döse ich auf der Rückbank immer wieder ein, kein Wunder, viel geschlafen habe ich heute Nacht ja nicht.
Die Straße schlängelt sich langsam in die Höhe, was auffällt, ist die dauerhafte Bebauung am Straßenrand. Kleine Häuser, Geschäfte, Buden und kleine Gastronomie ziehen sich am Straßenrand entlang, dahinter direkt Wald, ab und zu ein Reisfeld oder auch eine kleine Kautschuk- oder Bananenplantage. Erst als wir den Küstenbezirk Ernakulam verlassen und nach Idukki kommen, wird die Bebauung weniger, dafür wechselt der Wald in einen typischen, üppigen tropischen Feuchtwald. Am Straßenrand warnen Schilder vor kreuzenden Elefanten (🐘!!), ein Affenjunges rennt gefolgt von seiner zeternden Mutter über die Straße. Was für ein Kontrast zu den letzten Tagen!
Wir stoppen an zwei Wasserfällen, an Aussichtspunkten und kurz vor dem Ziel an einem kleinen Hof, an dem ein Schild auf die Möglichkeit zum Elefantenreiten hinweist. Ich werde gefragt, ob ich das möchte, natürlich verneine ich, aber ihn füttern würde ich ihn schon gern. Also zahle ich den Eintritt und gehe hinein. Was ich sehe, bricht mir das Herz. Die 37 Jahre alte Elefantendame ist angekettet und schaut mich mit traurigen Augen an. Ich bleibe ein paar Minuten und verdrücke mich dann wieder.
Im Hotel angekommen, checke ich schnell ein denn um 14:30 Uhr startet schon die Safari Tour mit dem Jeep in die Bergwelt Munnars. Auch hier bin ich – natürlich – wieder der einzige Gast, mein Guide begleitet mich aber. Es geht steile, enge Bergstraßen hinauf und wir halten wieder an Aussichtspunkten und Wasserfällen, die wirklich atemberaubend schön sind. Vorbei an Kaffee- und Kautschukplantagen fahren wir durch die beeindruckende grüne Bergwelt. Die Teeplantagen, die wir passieren, gehören übrigens Tata, dem größten indischen Konzern, der auch bei uns durch seine Autos bekannt ist.
Am späten Nachmittag kommen wir zu einem kleinen Fluss. Auf dem Mäuerchen, das die Straße vom Uferbereich trennt, sitzen Dutzende von Leuten und schauen auf das andere Ufer hinüber. Wir gesellen uns dazu, auch wenn es derzeit noch nichts zu sehen gibt. Es dauert aber nicht lange, dann schiebt sich eine Elefantendame aus dem Dickicht, stapft zum Ufer und watet vorsichtig in die Mitte des kleinen Flusses. Dort beginnt sie zu trinken und mit dem Wasser zu spielen. Wie ein kleines Kind mit einem Strohhalm blubbert sie mit ihrem Rüssel im Wasser. Wie mir erklärt wird, trinkt sie jeden Tag an derselben Stelle, weil es dort wohl es dort wohl einen höheren Mineralgehalt gibt als im restlichen Fluss und man könne wohl fast eine Uhr nach ihr stellen. Leider bleibt der Rest der Herde heute aus, ich bin trotzdem glücklich, dieses Schauspiel gesehen zu haben.
Zurück im Hotel, gehe ich nach einer Dusche in Ermangelung anderer Alternativen ins Hotel-Restaurant. Ich bin der einzige Gast und das Essen ist nichts besonderes. Als die junge Kellnerin mir aber meine Zitronenlimonade bringt, platzt das ganze Glas und der Inhalt ergießt sich über den Tisch. Zum Glück ist nicht mehr passiert.
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